Aussteigen – Dokumentarfilm

Aussteigen - DokumentarfilmIn diesem Dokumentarfilm erzählt Frau Bogenberger von ihren Erfahrungen und ihrem Ausstieg aus einer spirituellen Psychogruppe. Nach 18 Jahren, um 100.000 Euro erleichtert, realisiert sie, dass es in der Gruppe gar nicht um sie und ihre Traumaheilung ging. Der Film hat mich beeindruckt und lange beschäftigt, weil ich mit ihr einige Erfahrungen teile und dabei in keiner solchen Gruppe war oder doch?

Was hat das mit mir zu tun?

Aussteigen Therapie-SzeneIch hatte ohne Drogen ähnliche Erlebnisse, als sich meine rationalen Gehirnregionen verabschiedeten. Ich war nur ein paar Jahre in einer GFK & Bewusstheit Gruppe meiner Therapeutin. Diese Phase zu beenden und zurück ins Leben zu gehen – da gibt es Parallelen zu einem Sektenausstieg.

Indoktrination

Wikipedia schreibt: ->Indoktrination ist eine besonders vehemente, keine Diskussion zulassende Belehrung. Das passiert ja schon, wenn man sich für eine Methode entscheidet. Da hält man sich an die Regeln dieser Methode, die will man ja lernen, die werden nicht diskutiert oder hinterfragt. Gruppen haben eine Leitung, die bei entsprechender Persönlichkeit ziemlich diktatorische Züge zeigen kann. Neben der eigentlichen Methode bekommt man evtl. auch das ganze Lebenskonzept und die Weltsicht der Gruppenleitung eingehämmert. (siehe auch Wikipedia ->Gehirnwäsche)

Vom Wohlbehagen in Psychokulten

ManipulationIn Psychogruppen fühlt man sich gleich angenommen, verstanden und zu Hause. Da sind alle ganz lieb zu einem und untereinander  … und wie toll das heute wieder war! Wie gut, dass wir uns gefunden haben. Man hat gemeinsame Ziele (die Methode zu lernen, heil und ganz zu werden), die Aggressionen werden nach außen abgeleitet, an den gemeinsamen Feind (die kapitalistische Leistungsgesellschaft, die gespaltenen/ aggressiven Machtmenschen, …) und in der Gruppe entsteht eine symbiotische Harmonie.

Ich Wir GegensatzSymbiotische Gruppen sind nicht heilsam. Da befreit man sich von den Regeln der Familie/ Kultur und merkt gar nicht, dass man hier das Gleiche in grün lebt (Emotionaler Missbrauch, Manipulation, sag ja nichts) oder sich gar noch strengeren hierarchischen Regeln unterwirft und wieder nichts Eigenes entwickelt. Ich habe in der Zeit auch mein bisheriges soziales Umfeld ziemlich vernachlässigt, da ich mich von diesen Menschen nicht mehr verstanden gefühlt habe und eigentlich nur noch meine Ruhe haben wollte. Nach dem Austritt aus einer Gruppe entsteht ein Beziehungsvakuum, das erst wieder durch neue Beziehungen gefüllt werden muss.  (Quelle ->infosekta.ch)

Nach dem Ausstieg habe ich wieder komplett die Farbe gewechselt und finde es erstaunlich, wie mich die Gruppe beeinflusst und verändert hat … und wie gut es mir nun wieder geht. Das ist ein innerlicher Umbauprozess, der sich nicht immer gemütlich anfühlt.

Therapeuten sind Menschen

Ich glaube Therapeuten sind mitunter kaputter als ihre Klienten – sonst hätten sie dieses Thema nicht zu ihrem Beruf gemacht. Da darf man nicht blind alles glauben, was die sagen und nicht artig alles mitmachen. Nur leider ist nach einem Trauma, das Ich, die Instanz, die das beurteilen könnte, nicht mehr da. In diesem Not-Zustand emotional, spirituell u./o. finanziell missbraucht zu werden ist ja gleich der nächste Schaden. Ein spiritueller Therapeut, der sich sein Ich wegmeditiert hat, ist bestimmt kein geeignetes Gegenüber um das Ich seiner Klienten wieder zu aktivieren.

Liebt mich Gott?

Am Filmende und bei einem Blick in die facebook Seite ihrer Aussteiger Gruppe ->Goodby Guru entstand bei mir der Eindruck, dass Frau Bogenberger nach ihrer spirituellen Zeit nun wieder komplett auf die rationale/wissenschaftliche Seite zurückgeschnellt ist.

Bei vielen kommt es in solchen Lebensphasen zu einem spirituellen Erwachen, wie man damit am besten umgeht weiß ich natürlich nicht. Ich habe von meiner Talfahrt noch eine persönliche Verbindung zu dem Gott des Christentums. Die Liebe Gottes fühlt sich auf Zellebene sehr heilsam an, die möchte ich auf jeden Fall behalten. Der antwortet manchmal auf meine Fragen:

Oftmals ist die Hoffnung auf Heilung, die Befriedigung der Zugehörigkeitsbedürfnisse das Placebo, das einen sich zunächst etwas wohler fühlen lässt. Das ist noch nicht das Kriterium ob eine Methode, eine Gruppe oder Therapeut geeignet ist.

Noch ein paar Links: