Weil du mir gehörst

Weil du mir gehörstLetzte Woche habe ich einen Radiohinweis zu diesem Film gehört und beschlossen, ihn mir am Wochenende anzusehen. Da geht es um mein Kindheitstrauma: Scheidung der Eltern, Sorgerechtsstreitigkeiten und eine Mutter, die von ihren verletzten Gefühlen getrieben, die Tochter vom Vater entfremdet. Durch diesen Film bin ich nun an meine abgespaltenen Gefühle rangekommen, das hat eine gewaltige Energie im Bauch befreit.

Ach, davor hat mich wahrscheinlich mein angespanntes Zwerchfell 40 Jahre geschützt. Diese Energie hat sich ihren Weg nach oben gebahnt, durch die Brust in den Hals und Kopf. Die Beine habe von alleine angefangen unter dem Tisch zu trappeln (restless-legs-ähnlich) und mein Kiefer hat noch etwas geschlottert.

Scheidung tut weh

Annis Mutter macht im Film extrem üble Dinge um Anni von ihrem Vater fernzuhalten. Das kenn ich so nicht, aber den Vater verbal schlecht zu machen, als Kind in dieser Situation keine Hilfe im Umgang mit den eigenen schweren Gefühlen zu bekommen, sondern noch die Mutter emotional stabilisieren zu müssen (Umkehr der Rollen). Daran hat mich der Film erinnert und es hat im Anschluss heftig in mir gearbeitet. Da habe ich diese ungute Familiendynamik nochmal im Körper gespürt und mich erinnert, wie unangenehm das schon war, nach einem Besuch beim Vater, zu Hause der Mutter davon zu berichten. Für meine Mutter und meinen Bruder war mein Vater der Feind und zu 100% Schuld an der Scheidung – ich habe ihn noch ein paar Jahre weiter geliebt und hatte dadurch erhebliche Loyalitätskonflikte.

Als Kind, nach der Scheidung, jahrelang in den emotionalen Verstrickungen der Eltern zu leben, ist auf jeden Fall kein gutes Milieu für eine gesunde Entwicklung. Da kann es passieren, dass man sich für die Mutter zu sehr verantwortlich fühlt und die Ablösung in der Pubertät nicht vollzieht, der Mutter den fehlenden Partner zu ersetzen versucht und ein Leben lang mit der Mutter emotional verstrickt bleibt. So eine gestörte Bindung an die Mutter verhindert die eigene Autonomie-Entwicklung.

Um solche systemischen Zusammenhänge zu verstehen und zu ändern ist Ero Langlotz hilfreich: ->Symbiose in Systemaufstellungen

Beeindruckt bin ich wieder von der Intelligenz meines Körpers, der entscheidet ja, wann so ein Thema drankommt. Ich glaube, so etwas poppt erst auf, wenn man auch in der Lage ist, das zu verarbeiten, da kommt man mutwillig gar nicht ran.

Den Film und den Talk zum Film gibt es noch bis 16.08.2020 in der ARD Mediathek:
-> Weil du mir gehörst

Ich finde es gut, dass dieses Thema mal im ersten Programm läuft, nur ohne den Talk zum Film versteht wahrscheinlich niemand, was dieser Missbrauch durch die Mutter für Folgen für das weitere Leben der kleinen Anni hat.