Symbiose und Autonomie

Symbiose und Autonomie BuchcoverSymbiosetrauma und Liebe Jenseits von Verstrickungen

Dieses Buch von Franz Ruppert halte ich noch immer für sein wichtigstes. Es ist unglaublich bis schamanisch, was Seelen unbeobachtet so treiben und wie das Franz Ruppert mit seinen Anliegenaufstellungen ans Licht bringt. Nach seinen Erfahrungen sind es die symbiotischen Verstrickungen mit traumatisierten Eltern/Familien, aus denen man auch als ErwachseneR schwer herausfindet, die einen kontinuierlich traumatisieren.

Symbiose und Autonomie

Symbiotische Bedürfnisse wie willkommen sein, gesehen werden, dazugehören, verstanden werden und Autonomie Bedürfnisse wie Unabhängigkeit, Eigenständigkeit usw. sind ein Leben lang immer wieder auszubalancieren. Ich denke da ist mal die eine und mal die andere Seite stärker, es gibt hier keine lauwarme Mitte, die es dauerhaft zu finden gilt.Gegensätzliche Bedürfnisse

Bei vielen, die heute Probleme im Leben haben, wurden die symbiotischen Bedürfnisse in der Kindheit nicht befriedigt, die Autonomieentwicklung verhindert und darunter liegt noch das Urtrauma: Dass man in der Symbiose mit der traumatisierten Mutter bereits traumatisiert wird und sich spaltet und dann die Aufmerksamkeit von sich weg nach Außen richtet zu anderen Menschen.

Im Buch erklärt Franz Ruppert Autonomie und Symbiose beim Menschen und in der Natur. Den Unterschied von konstruktiven und destruktiven Symbiosen. Wie man durch den Bindungsprozess an die Mutter schon geprägt und traumatisiert wird, ihren Stress, ihr Körpergefühl übernimmt und sich selbst verliert. In diesem Buch führt er sein 3-teiliges Modell zur seelischen Spaltung ein (Gesunder Anteil, Traumatisierter Anteil, Überlebensanteil) mit umfangreicher Beschreibung, woran man diese Anteile erkennt, welche Eigenschaften und Strategien sie mitbringen.

Die kindlichen Symbiosemuster, die heute noch wirken, kann man sich mit dem Buch klarmachen, diese werden durch keinen Partner und keine Gruppe mehr befriedigt. Als Erwachsene brauchen wir eine Verbindung mit uns selbst, mit dem Körper und Grenzen … und dafür müssen wir uns aus den symbiotisch verstrickten Beziehungen lösen. Das sind so starke Energien, die einen regelrecht verbiegen, darin verliert man sein Ich. Zwischen autonomen Erwachsenen sind dann konstruktive Symbiosen zum gegenseitigen Nutzen möglich.

Franz Ruppert hat damals ganze Anliegensätze aufgestellt. Heute sind es eher einzelne Worte aus Anliegensätzen (ich, mich, will usw). Im 11. Kapitel werden die Stufen zur Heilung beschrieben. Er macht einem keine Illusionen, dass es schnell geht. Es braucht erst mal ein gesundes Ich für solche Aufstellungen und die Fähigkeit Gefühle zu verarbeiten. Ich denke das ist nichts für Menschen, die ihren Körper nicht bewohnen und gerade in traumatisierten Anteilen unterwegs sind. Im Buch steckt viel Erfahrungswissen drin und auch eine interessante Liste „Therapeutische Irrwege“ – die einen den eigenen Therapeuten/Therapeutin etwas beurteilen lassen. Ein feelgood Buch ist es nicht gerade, es macht betroffen, was für Verbrechen Eltern an ihren Kindern begehen.

Mir hat das Buch schlüssige Erklärungen geliefert, was bei mir am Lebensanfang schief lief und wie destruktiv auch meine Familie ist. Ich habe eine Mutter, die traumatisiert ist, mich nicht freiwillig loslässt – sie und mein Bruder sind auch vergleichsweise mächtig, dominant und aggressiv. Da habe ich viele Ohnmachtserfahrungen in meinem Leben angehäuft und besprechen/klären kann ich mit ihnen auch nichts. Ich habe auch meine ganzen Überlebensstrategien darin erkannt und mich im Anschluss direkt nach einer Therapeutin umgesehen.

Empfehlenswert finde ich Franz Ruppert auch für Menschen, die durch psychiatrische Diagnosen belastet sind. Diese Symptome deutet er auch als Überlebensstrategien und ich habe echt den Eindruck wir bräuchten viel mehr von solchen systemischen Therapeuten als diese krankenkassenzugelassene Ärzte und Psychiater, die heute für Heilung/Symptomverschiebung zuständig sind.


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