Vom Glück, etwas abzuschließen

Vom Glück, etwas abzuschließenProkrastination beenden mit der Polyvagal-Theorie! Inke Jochims hat einen Ratgeber geschrieben, in dem sie Prokrastination und den Weg heraus, mit Hilfe der Polyvagal-Theorie erklärt. Zur Erklärung der Polyvagal-Theorie verwendet sie Deb Danas Modell der Navigation auf der autonomen Leiter und erklärt dazu welche Gehirnteile jeweils verfügbar sind und welche nicht und auch welche Gefühlszustände und innere Dialoge jeweils dazu ablaufen.

Wenn man mit mini kleinen Aufgaben anfängt, sich kraftvoll dafür entscheidet, beginnt, sie durchführt und erfolgreich abschließt und sich anschließend Zeit nimmt, Stolz und Freude darüber zu spüren gerät man in eine Aufwärtsspirale und heraus aus dem immobilen Zustand. Diese einzelnen Schritte ihres Modells beschreibt sie detailiert mit wertvollen Tipps und dabei evtl. auftauchenden Gefühlen oder hierfür erforderlichen Gefühlen.

Das war eine meiner wichtigsten Erfahrungen 2019 – meine Selbstwirksamkeit wieder zu spüren, wieder ins handeln zu kommen. Ich übe das nun jeden Tag mit 2 oder 3 kleinen Tätigkeiten, weil ich an mir beobachtet habe, dass ich etwas anfange, dann was anderes weitermache und schwubbs bin ich schon wieder woanders und mit etwas drittem beschäftigt … und danach muss ich natürlich erst mal Emails checken, eine rauchen und Kaffee trinken … Katastrophe.

Ich übe nun also eine kleine Aufgabe konzentriert und fokussiert von Anfang bis Ende ohne Unterbrechung durchzuziehen und dann auch zu registrieren, dass sie nun erledigt ist! Hinsetzen tief durchatmen und Glücksgefühle spüren. Ich habe dafür einen hübschen Kalender, in den ich die Aufgaben schreibe und anschließend abhake. Hey, das tut! Für mich ist das – wie in kleinen Schritten wieder Leben lernen, mein Gehirn wieder funktionstüchtig machen, mich etwas besser organisieren.

Frau Jochims schreibt in der Einführung, dass sie in manchen Büchern nur ein Körnchen Weisheit für ihre Transformation gefunden hat. Für mich waren in ihrem kleinen Büchlein (knapp 100 Seiten) erstaunlich viele Körnchen drin, obwohl ich schon einiges über die Polyvagaltheorie gelesen habe. Z.B. das bewusste Abschließen habe ich vorher überhaupt nicht gemacht. Es sind in diesem Buch auch keine falschen Körner drin, die man aussortieren muss (ah doch, da ist eins: Meditation als mögliche Intervention). Für mich ist das ein einleuchtender und wirksamer kleiner Ratgeber um das Leben wieder zu gestalten, um wieder ins Handeln zu kommen. Das fühlt sich natürlich sicherer an, als im Chaos zu versinken.

Man braucht dazu Anfangs noch gar nicht über großartige Ziele nachdenken, das funktioniert nicht, wenn das Großhirn und der Präfrontale Kortex offline sind, ganz kleine praktische Aufgaben, wie abspülen, Wäsche zusammenlegen, einen Anruf erledigen, … tun es erst mal.

Das Buch gibt es im Buchhandel oder bei Amazon.de -> Vom Glück, etwas abzuschließen. Bei Amazon gibt es reichlich Vorschau ins Buch – aber nur das halbe Inhaltsverzeichnis, darum hier noch ein Link zu ->https://www.bod.de/…


Der Polyvagal-Kreis Mathias ThimmMir gefällt die Polyvagal-Theorie schon länger und ich habe selbst immer wieder darüber nachgedacht, wie man sie besser darstellen kann, als mit der autonomen Leiter. Prima, ein anderer hat das schon erledigt: Mathias Thimm, ein Somatic Experiencing Psychotherapeut aus Berlin, erklärt die Polyvagaltheorie sehr genial mit einem Polyvagal-Kreis in diesem ->youtube Erklär-Video. Den ->Text zum Video gibt es in seinem Blog.

Die Polyvagal-Theorie ist für mich ein wichtiger Puzzlestein/ein guter Plan. Sie erklärt mir die unterschiedlichen Zustände in denen ich mich befinde oder befunden habe und warum die Kommunikation mit gestressten Menschen nicht funktioniert.

Wenn man gerade eine traumatische Erfahrung gemacht hat, in (emotional) missbräuchlichen Beziehungen lebt oder schon ewig zwischen heilloser Übererregung und Immobilisierung hin und her pendelt, dann braucht es wahrscheinlich erst mal etwas therapeutische Begleitung und die Lebensumstände müssen sich natürlich auch ändern. Da ist das Video von Herrn Thimm gegen Ende schön realistisch.