Neuronale Heilung mit Zubehör

Drill-Seargent-Lars29.02.2020 – In mir gibt es so einen kleinen Drill-Seargeant Lars, der denkt, wenn ich jeden Tag intensiv Körpertraining machen würde, könnte ich bald fliegen. Nur wenn der auftaucht, dann bockt das Ferkel total. Nach dieser Zeichnung habe ich nun voll Lust auf ein paar Übungen. 🙂

Selbsttherapie mit Neuroathletik Übungen16.02.2020 – Ich habe eine richtig gute Nachricht: Es sind echt die abgeschalteten Hirnnerven, die dem Gehirn nicht mehr genügend Informationen aus den Sinnesorganen und dem Körperinneren liefern, was die emotionalen Turbulenzen im Körper verursacht.

Mein Gehirn hat hierfür das Wissen von Stanley Rosenberg mit Wilhelm Reich und meinen Erfahrungen aus dem Neuroathletiktraining kombiniert und sich für das Buch Neuronale Heilung ein „Starterset zum selbst ausdrucken“ einfallen lassen.

Wenn man sich die Funktionen der Hirnnerven ansieht (Der Selbstheilungsnerv, S.56) wird klar, dass die Hirnnerven die Sinnesorgane an das Gehirn anschließen (Sehvermögen, Geruch, Gehör, Geschmacksinn und auch kauen, schlucken, Zunge werden da erwähnt). Das Buch Neuronale Heilung trainiert die Sinnesorgane und superwichtig für die stabile Mitte – den Gleichgewichtssinn in den Ohren.

Wilhelm Reich KörpersegmenteWilhelm Reich kommt noch dazu, mit der Erkenntnis, dass wir von oben nach unten vorgehen müssen um die Körpersegmente wieder in Besitz zu nehmen, weil sonst unglaubliche Energiemengen nicht oben durchkommen und dort zu noch mehr Verspannungen führen. Das ist genau das, was ich in meiner körperorientierten Psychotherapie erlebt habe. Ewiger emotionaler Whirlpool im Körper, der den Weg hinaus nicht findet. Es ist unglaublich, was ich nach ein paar Wochen mit diesen Neuroathletik Übungen für Erfahrungen mache. Der Mundraum ist lebendig, die Mimik deutlicher spürbar, der Kiefer lockert sich endlich und mein Zwerchfell auch.

Neuronale Heilung

Neuronale Heilung - Lars Lienhard, Ulla Schmid-Fetzer, Dr. Eric Cobb Neuronale Heilung ist ein schönes und buntes Buch, mit über 100 Übungen, die das Nervensystem und das Gehirn heilen. Es enthält farbige Abbildungen zu den Erklärungen, Farb-Fotos für die Übungen und farbige Unterscheidung der Kapitel. Das befriedigt mein Bedürfnis nach Sorgfalt und Ästhetik und es macht mir Freude damit zu arbeiten. Hier ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln:

1 Bedeutung der neuronalen Heilung

Das Gehirn bekommt Informationen (aus der Umwelt und aus dem Körperinneren), analysiert und interpretiert diese Informationen und leitet autonom Reaktionen ein: Blutdruck, Atmung, Muskelspannung, Cortisol Ausschüttung, Herzfrequenzanpassung … und auch Emotionen und Gedanken. Das Wohlbefinden, die Gesundheit und auch unser Verhalten ist davon abhängig, wie gut die Qualität der Informationen ist, ob die Weiterleitung funktioniert und wie der Hirnstamm die Gefahrenlage einschätzt (sicher/unsicher/lebensgefährlich). Die Übungen trainieren die Sinnesorgane, den Vagus Nerv und die Inselrinde um die Informationslage, Weiterleitung ins Gehirn und dortige Verarbeitung zu verbessern. Für den Hirnstamm werden Situationen vorhersehbarer und dadurch sicherer (falls keine akute Bedrohung mehr besteht).

Laut Literaturverzeichnis ist den Autoren die Polyvagaltheorie bekannt, dort ist Stephen Porges und Stanley Rosenberg vertreten. Für das Buch spielt sie allerdings keine Rolle, dort ist nur von Sympathikus und Parasympathikus die Rede.

2 Assesments – Tests

Das sind Übungen, mit denen man überprüfen kann, ob das Gehirn eine einzelne Übung als sicher einstuft. Im Ergebnis wird man dann beweglicher. Falls man starrer durch eine Übung geworden ist, kann man die später nochmal vorsichtiger machen. Das ist eine geniale Idee, nur recht aufwendig vor und nach jeder Übung zu testen. Es geht also nicht um möglichst hart trainieren bis zum Anschlag und darüber hinaus. Sondern in einem Bereich zu arbeiten, in dem sich dein Nervensystem sicher fühlt!

3 Den Rahmen schaffen

In diesem Kapitel geht es los mit den Übungen, die sind hervorragend und reichen vielleicht schon um wieder funktionstüchtig zu werden. Es fängt an mit „den Frontallappen aktivieren“. Diese Hirnregion ist für die Impulskontrolle zuständig und ist der Sitz des Ich. Ein Bereich der bei traumatisierten Menschen häufig offline geht (Dissoziation) und sie so schutzlos, ohnmächtig und willenlos macht. Wenn der wieder rumpelt, kann man das Leben wieder gestalten, das ist auch die „Hardware“, die Beziehungen erst möglich macht.
Daran schließen sich Übungen für das Gleichgewichtstraining an, die m.E. Blockaden im Hals/Nacken lösen und die Hirnnerven wieder funktionsfähig machen. Geschmack und Geruch werden trainiert, der Vagus Nerv mobilisiert und zuletzt wird mit den Handgelenken geübt um motorische Gehirnareale zu stimulieren. Schon mit diesen Übungen kann man sich ein paar Monate beschäftigen.

4 Atmung und Beckenboden

Hier wird an der Beweglichkeit des Zwerchfells und des Brustkorbes gearbeitet und dann gibt es Atemübungen, die die Ausatmungsphase verlängern. Der Beckenboden hat wohl auch eine große Bedeutung für die Innenwahrnehmung, dazu gibt es starke Bilder, die die Übungen vorbereiten und erklären.

5 Zunge und Rachen

Auch die Zunge liefert viele Informationen an das Gehirn und lässt sich mit Übungen trainieren. Mit Gurgelübungen wird der Rachenraum trainiert.

6 Fühlen, Hören, Sehen

Wärme/Kälte fühlen, Massagen, Geräusche Ortung und etwas Augentraining enthält dieses Übungs-Kapitel.

7 Körperwahrnehmung und Achtsamkeit

Dieses Kapitel ignoriere ich derzeit. Das enthält progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Achtsamkeitstraining mit Bodyscan und Atemmeditation. Ich bin etwas allergisch gegen dieses MBSR Zeug, das hat mich einst völlig schlaff und depressiv gemacht. Dadurch geht der Stress nicht raus. Ich denke wilde Bewegungen, Action an der frischen Luft und vor allem die abgespaltene Wut integrieren ist für die Zielgruppe dieses Buches viel wichtiger.

8 Trainingspläne

Hier werden ein paar Übungskombinationen für verschiedene Beschwerden vorgestellt. Ich denke, das macht sich besser jede selbst.

Benötigtes Zubehör

Das hat mich gewundert und zunächst erschreckt, was für eine Menge Zubehör man noch für dieses Buch anschaffen könnte. Einige Augentraining-Karten und Visionsticks aus einem Neuroathletik Starterset, dann könnte man sich noch einen teuren Vibrationsstift für die Zunge anschaffen, verschiedene Atemtrainer, einen Knochenschall-Kopfhöhrer, einen Gymnastikball, Nierengurt und Wärmflasche.

Doch es gibt viele Übungen, für die man kein Zubehör braucht, dann kann man immer noch entscheiden ob man sich zusätzliche Geräte anschaffen möchte. Einen Gymnastikball hab ich und kreative Menschen können ja improvisieren:

Daher kann ich euch nun das Weltallferkel-Neuroathletik Starterset zum Download anbieten. Das enthält die Augentrainings-Karten zum selbst ausdrucken und für die Vision-Sticks ist mir eine gute Alternative eingefallen: Überzieher für die Daumenkuppen mit einem aufgedruckten Buchstaben.

  • Sakkaden.pdf – ausdrucken, senkrecht halbieren und mit Tesafilm an den Ecken z.B. an eine Türe kleben.
  • Fernkarte.pdf – ausdrucken, an die Wand kleben; Nahkarte.pdf – ausdrucken und falten, damit sie stabiler wird.
  • VisionStickAlternative.pdf – um die Daumenkuppe wickeln, mit Tesa in der gewünschten Größe fixieren und innen auch noch einen kleinen Streifen Tesa reinfummeln. Es gibt 2 verschiedene Schriftgrößen, je nach Sehschwäche, die geeignete auswählen.

Das ist genial, dass es diese Körperübungen gibt und wir das Nervensystem und das Gehirn nun selbst reparieren können. Mir tut es richtig gut mit diesem frischen, hübschen Buch zu arbeiten, so ganz ohne Psychologie Ballast. Dieses neurozentrierte Training wurde von Dr. Eric Cobb entwickelt, ursprünglich für Sportler, doch es findet auch im Reha Bereich Anwendung. Das verdrahtet den Körper neu und trainiert auch den Selbstheilungsnerv intensiv.

Das Buch ist 12/2019 erschienen und eine gute Ergänzung und Vertiefung zu den ->Stanley Rosenberg Übungen (mit denen ich vorher schon 1 Jahr geübt habe). Das ist hier kein Versprechen auf schnelle Blitzheilung mit Garantie – für viele, auch mich, ist die Verkörperung ein mehrjähriges Thema. Für mich sind diese Übungen genau richtig, da Kiefer/Nacken und Zwerchfell meine Spaltungs-Zonen sind, wie ich einst schon in dieser Animation gezeigt habe:

Die Übungen gehen von oben nach unten vor, das ist die Lösung! Solange der Hals nicht richtig sitzt oder der Nacken verspannt ist (Atlas?, Ausgang der Hirnnerven) kommt man mit dem Bewusstsein nicht hinunter in den Körper, da kann man 100 Jahre Yoga machen.

Es ist unglaublich – auf was für Holzwegen ich unterwegs war. Wenn der Körper in Sicherheit ist, hat man echt diese Emotionen und Gedanken gar nicht mehr, dann ist Ruhe. Wir müssen unsere Nervensysteme selbst heilen, ein Therapeut kann einen höchstens stabilisieren und begleiten in emotional überfordernden Zeiten.
Falls du die Übungen machst, würden mich deine Erfahrungen interessieren.


Es folgt nun ein Werbepartner-Link. Das Buch habe ich bezahlt, weitgehend durchgeturnt und bin begeistert, das ist keine verlagsgesponserte Werbung.

amazon.de-> Neuronale Heilung: Mit einfachen Übungen den Vagusnerv aktivieren – gegen Stress, Depressionen, Ängste, Schmerzen und Verdauungsprobleme
von den Neuroathletik Experten Lars Lienhard, Ulla Schmid-Fetzer und Dr. Eric Cobb